19.9.2017, Dienstag, Blaine, Washington, USA, Tag 119

Um 6:30 Uhr ist die Nacht vorbei: Irgendjemand trommelt auf mein Auto. Ich mache die Jalousie in der Schiebetür runter, um zu sehen, was los ist. Ein Uniformierter macht mir in einem rüden Ton begreiflich, dass ich hier nicht stehen darf. Ich öffne das Fenster, um mich mit ihm zu unterhalten, mich zu entschuldigen. Er nimmt mir nicht ab, dass ich kein Schild gesehen habe. Klar, ich hätte es, mit offensichtlicher Reiseerfahrung wissen müssen, dass derartige Stellen immer ein Campingverbot, oder ein nächtliches Parkverbot haben. Offenbar gibt es in unmittelbarer Nähe, auf der anderen Straßenseite, einen offiziellen Campingplatz. Habe ich nicht gesehen. Ich werde aufgefordert 25 Dollar, die Campingplatz-Gebühr, zu bezahlen, was ich natürlich mache. Damit ist die Sache erledigt. Jetzt, ab 7 Uhr, ist ein Parken auch wieder erlaubt, so dass ich gar nicht wegfahren muss. Es regnet, so dass ich mit dem Aufstehen noch etwas warte.

Nach dem Frühstück hellt es auch ein bisschen auf. Verlasse das verlasse Dorf, werde von hier nach Blaine in den USA fahren, um dort erneut zu versuchen, für die nächste Etappe mit meinen Sprinter eine günstigere Versicherung zu bekommen als das, was ich über die Firma Seabridge abschließen kann.

An der Grenze werde ich nur von einem kanadischen Beamten kurz angehalten. Er fragt mich, wie lange ich in seinem Land bleiben möchte, dann geht’s weiter.

Tja, und ca. 30 Kilometer weiter reise ich dann erneut in die USA ein. Die Grenze ist viel größer als die auf dem Weg nach Point Roberts. Habe ein gutes Gefühl, da ich ja gelernt habe, was sagen soll und darf, was nicht. Nach der Passkontrolle werde ich erneut gebeten mein Auto abzustellen, mich ins Gebäude zu begeben, dort ein Formular auszufüllen, mit den Fragen, die mir jetzt bekannt sind. Auch mit dem Thema Lebensmittel weiß ich nun umzugehen. Dennoch, zu meiner Überraschung, werde ich gebeten meinen Autoschlüssel abzugeben, so dass ein Team von 2 Beamten erneut mein Auto inspizieren kann. Auch hier wird mir meine Anwesenheit nicht gestattet. Nach ca. 20 Minuten zeigt mir der Staatsschützer das Ergebnis: 1 Knoblauchknolle, und ein Stück Salami. „Wir wissen nicht, welche Inhaltsstoffe Deine Salami hat, insofern müssen wir sie beschlagnahmen“. Ganz sicher haben die anderen Beamten neben den Orangen auch den Knoblauch entdeckt, ihn jedoch nicht beanstandet. Frage auch nicht weiter nach, akzeptiere den Verlust meiner wertvollen Lebensmittel, bin froh, als ich wieder im Auto sitze und weiterfahren kann.

Die kleine Stadt Blaine, direkt hinter der Grenze, die am Wasser gelegen ist, vermittelt mir einen sympathischen Eindruck.

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Dieses Schild fällt mir sofort auf:

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Offensichtlich sind hier „leichte Drogen“ legal – sehr progressiv!

Erblicke eine Autowerkstatt, denke, dass die Leute mir dort vielleicht eine Versicherungsagentur empfehlen können. Unterhalte mich ne ganze Weile mit dem Inhaber, der sich auf alte Autos und Motorräder spezialisiert hat. Letzteres ist natürlich ein Thema, das mich interessiert.

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Lade Lee zu einem Bier ein, doch entgegnet er mir, dass er im Job keinen Alkohol trinkt. Schlage ihm vor, gegen Feierabend, 17 Uhr wiederzukommen, dann mit ihm einen Drink zu nehmen. Er willigt ein, verweist mich mit meinem Anliegen an das Visitor-Center. Dort bekomme ich 2 Adressen von Versicherungsagenturen, die ganz in der Nähe liegen. Der erste Besuch ist ernüchternd und sehr schnell beendet. Sie können nur Verträge mit Leuten aus Washington machen. – Ich kürze meine Wege etwas ab, da ich tagebuchtechnisch einige Tage aufholen muss und weiterkommen möchte. Also: Mal heißt es, dass ich eine hiesige Adresse brauche (die ich in einer Agentur hier auch bekommen könnte, für ca. 5 Dollar pro Monat), mal benötige ich einen amerikanischen Führerschein (der sicherlich auch irgendwie zu bekommen sein müsste). Letztlich gebe ich auf, da ich mit einem deutschen Auto unterwegs bin, das zumindest die Firmen, die ich kontaktiere, nicht versichern können oder wollen.

Bin um kurz vor 17 Uhr, wie verabredet, bei Lee. Lerne dort Tommy, den chilenischen Schweizer, kennen. Von ihm hat er die Werkstatt vor ein paar Jahren gekauft. Lade beide zu einem Bier ein, aus meinem Kühlschrank. Während der ca. ½ Stunde kommen wir uns näher, so dass ich Tommy’s Einladung folge, auf seinem Grundstück die Nacht zu verbringen. Auch schlägt er mir sofort vor, mein Auto während meiner Zeit in Deutschland bei sich stehen zu lassen. Bin von der spontanen Offenheit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft sehr angetan. Als wir bei ihm eintreffen, lerne ich Wade, einen 24-jährigen Motorradfahrer aus Alabama kennen.

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Auch er ist seit einigen Monaten „on the road“, seit 2 Tagen wohnt er bei und mit Tommy. Er fragt uns, ob wir Lust haben heute Abend mit ihm irgendwo essen zu gehen. Klar! Wade ruft noch einen anderen Biker, Hunter, 27 Jahre, an, den er vor ein paar Tagen kennengelernt hat. Es stellt sich heraus, dass es der Texaner ist, dessen BMW ich vor ein paar Tagen in Vancouver fotografiert habe, weil ich von dem riesen Gepäck sehr beeindruckt war. Auch er, der auch schon seit 2,5 Monaten unterwegs ist, geht letztlich mit uns im „Schwarzwaldhaus“ essen.

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Auch er wird von Tommy eingeladen bei ihm zu übernachten. Unser „Gastgeber“, der heute seinen 62-jährigen Geburtstag mit uns feiert, gehört seit Jahrzehnten zu der „Gruppe Globetrotter“, ob mit Motorrad, oder seinem Wohnmobil, das er von einem „Kühltruck“ über Jahre zu einem ganz besonderen Camper ausgebaut hat. Von diesem Gefährt bin ich ganz begeistert:

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Wir verbringen einen recht netten, sehr interessanten Abend zusammen, trinken nach dem Essen downtown im faszinierenden Mobil von Tommy, in dem Wade ein vorrübergehendes Zuhause gefunden hat, noch einen „Absacker“.

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Ein sehr besonderes Treffen. Bin extrem gespannt, was sich daraus noch entwickelt. Bin glücklich über die neue Option hier in Blaine meinen Sprinter abzustellen!

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