5.9.2017, Dienstag, Ucluelet, Vancouver Island, Kanada, Tag 105

Um 6 Uhr klingelt mein Wecker, es ist noch dunkel draußen. Bin um kurz nach 7 Uhr am „Lady Rose Marine Service“, erfahre, dass das Schiff in einer Stunde ablegt, sodass ich noch in Ruhe frühstücken kann.

Leider ist das Wetter (noch) nicht so wie in den letzten Tagen, es ist alles sehr wolkenverhangen, grau, klassisches Ruhrgebietswetter. Doch vielleicht lässt sich in den nächsten Stunden die Sonne noch blicken.

Die Strecke von ca. 70km nach Bamfield fährt das in Norwegen im Jahr 1958 zugelassene Schiff alle 2 Tage, in erster Linie um die am liegenden Siedlungen und auch Bamfield (am Pazifik) mit dem zu versorgen, was die Menschen dort benötigen. Es sind sowohl Bewohner, die den Sommer dort verbringen, und auch Einheimische, die das ganze Jahr dort leben.

Wir legen an einer „Behausung“ an, an dessen Steg sich ein kleines Postamt befindet.

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An dieser Stelle, auf den Pfählen, gab es in den 1930er Jahren eine kleine Fisch-Konserven-Fabrik, es lebten hier 500 Menschen, damals wie heut nur über das Wasser zu erreichen. Ich hätte große Lust an Land zu gehen, mich mit den Einheimischen zu unterhalten, zu erfahren, wie und wovon sie hier leben. Vielleicht sind es Künstler, die sich eine kreative Auszeit nehmen? Auf jeden Fall Individualisten, die sich für das „nicht-normale“ Leben entschieden haben.

Und auch die nächsten Stopps sind sehr interessant. Hier eine sich offensichtlich positiv entwickelnden Kommune. Mit Neubauten, wie eigentlich meistens in Kanada, architektonisch einfallsreich, am Hang, mit viel Glas – toll!

 

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Auch der Abfall der Bewohner wird im regelmäßigen Turnus mit dem Schiff entsorgt.

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Dann ein Camp, von und für die Native People, für Kinder, die einen Teil ihres Sommers hier verbringen.

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Immer wieder sehe ich, dass ich „demnächst“ noch mal hier her kommen muss, mit mehr Zeit, um genau diese Orte, von denen es ja in Kanada extrem viele gibt, zu erkunden, mich mit den Menschen zu unterhalten.

Die Durchsage vom Kapitän lässt alle Bootstouristen auf die rechte Seite des Schiffes kommen: Ein Wal (oder sind es sogar mehrere?) ist gesichtet worden! Gespanntes Warten! Und dann taucht er tatsächlich auf, und sofort wieder unter, mit der Bewegung der Heckflosse, wie wir es alle von Fotos oder aus Filmen kennen. Klasse! Beeindruckend! Leider war es nur ein sehr kurzes Gastspiel. Der Käpitan fährt mit minimaler Geschwindigkeit, um uns allen diesen spektakuläre Schauspiel nochmals zu ermöglichen, doch es bleibt bei all den gespannten Tierfreunden bei einem „Auf das Wasser starren“, ohne ein ahhh und ohhh und wowww.

Pünktlich um 12 Uhr erreichen wir Bamfield, dieses kleine Dorf am Ende der Welt, in dem es jedoch ein geschäftliches Treiben gibt. Als wir am Pier anlegen, startet gerade ein Hubschrauber, wenig später hebt zwischen den Booten ein Wasserflugzeug ab.

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In den 1 ½ Stunden Aufenthalt unternehme ich einen kleinen Spaziergang, zunächst auf dem „boardwalk“ (dem Holzsteg), zwischen Wasser und den kleinen Holzhäusern am Ufer.

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Auch hier, wie bereits schon mehrfach gesehen und fotografiert, ist das Flugzeug ein ganz alltägliches Verkehrsmittel, das wie bei uns ein Taxi genutzt wird. Man hat hier auch eine ganz besondere Telefonzelle, mit einem angebundenen Handy, mit dem das Taxi gerufen werden kann.

Es folgt ein ausgeschilderter Rundweg ins Hinterland, vorbei an recht schönen Häusern.

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Das Wetter hat sich nicht wirklich gebessert, es ist jedoch angenehm warm.

Die Fahrt zurück ist ganz nett, ohne besondere Highlights, so dass ich die Zeit nutze um zu schreiben.

Dann geht’s wieder on the road, die nächsten Ziele heißt Ucluelet und Tofino am Pazifik, die berühmten Hochburgen der Surfer.

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Bin sehr gespannt. Mittlerweile, am frühen Abend, haben wir 32 Grad, es ist jedoch immer noch recht diesig.

Mache eine Esspause an einem Fluss, an einer Stelle, die diverse junge Leute als Abenteuerspielplatz nutzen.

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Ich muss wieder feststellen, dass das Wetter die Landschaftswahrnehmung extrem beeinflusst. Bin sicher, dass ich erneut schwärmen würde, über die Seen, an denen ich vorbeifahre. Doch ohne Sonne, mit grauem Himmel ist das Szenario entschieden weniger reizvoll, man nimmt die Umgebung ganz anders wahr. Überlege gerade: Ob die Weltstadt Bochum bei Sonne den Touristen auch Glücksgefühle produziert? Wahrscheinlich haben wir uns als Einwohner, genau so wie die Kanadier hier, bereits so an die Schönheit gewöhnt, dass wir sie gar nicht mehr richtig zu schätzen wissen. Zumindest wenn wir zwischen Kosterbrücke und Kemnader See immer hin und her fahren, oder doch besser joggen, ist das mit kanadischen Landstrichen durchaus vergleichbar! Sollte jemand von Euch (vielleicht zufällig wohnhaft tief im Süden?)unsere Traumstraße (noch) nicht kennen: Komm anne Ruhr, lass Dir überzäugen!

Erreiche abends Ucluelet, erblicke am Straßenrand ein Reh, das sich auch nicht aus der Ruhe bringen lässt, als ich anhalte, es aus ziemlicher Nähe fotografiere.

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Bin zufällig bei Sonnenuntergang an einer wohl markanten wie bekannten Stelle an einem Leuchtturm, von der diverse Touristen mit unterschiedlichstem Equipment (vom einfachen Handy bis zu Riesen-Teleobjektiven an Spiegelreflexkameras) das immer wieder faszinierende Naturschauspiel festhalten, so wie auch ich, mit meiner eher bescheidenen Ausrüstung.

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Übernachtung am Visitor-Center, etwas außerhalb des Dorfes, nach dem ich ausgesprochen lecker esse: Spaghetti mit einer Kräutersauce und Muscheln.

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