1.8.2017, Dienstag, Carmack, Klondike Highway, Kanada, Tag 70

Frühstück mit Aussicht, und was für einer! Das könnte mein Stammplatz werden.

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Dann, ein geschultes Ohr hört es aus der Ferne: Harley’s im Anmarsch! Fünf an der Zahl, die unweit parken, ebenso wie alle hier oben, von dem Blick schwärmen. Grundsätzlich sind Motorradfahrer natürlich alles liebe, abenteuersuchende Menschen, haben häufig Zweiräder, die meine Neugier wecken, mit denen ich mich gerne unterhalte. So auch hier? Bin mir nicht so ganz sicher. Es sind „Kuttenträger“ aus Québec, hinter denen ich mich verstecken könnte, und … – man kennt sie überall – Hell’s Angels. Das ist eine Gruppe, vor der ich nicht nur Respekt habe, sondern nicht sicher bin, wie ich mich ihnen gegenüber verhalten soll. Würde sie gerne fragen, wie sie zum Thema „Freundschaft ohne Grenzen“ stehen, wie sie diesen Slogan leben. So wie ich sie einschätze, sind sie eher weniger tolerant, was andere Kuttenträger angeht. Da ich keine Probleme provozieren möchte, halte ich mich mit meinen Kontaktwünschen bedeckt. Eine Sozia ist wirklich so, wie man sich – oder zumindest ich mir – eine „Rockerbraut“ vorstelle: Enge Jeans, überkniehohe Stiefel, ein sehr „körperbetonendes“ T-Shirt, das bei vielen Männern, sicherlich aber auch bei Frauen, die Frage aufkommen lässt, ob darunter alles echt ist. Lange schwarze Haare, verspiegelte Sonnenbrille … kalendergirlfähig.

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Fahre zum letzten Mal nach Dawson City, möchte eigentlich in der Bücherei etwas an meinem Blog arbeiten. Dies ist leider nicht möglich, da sie erst um 12 Uhr öffnet. Pech!

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Gehe in ein nahegelegenes Hotel, und habe Glück: Sie haben nicht nur Internet, sondern ich darf es sogar benutzen. Nur … es ist so langsam, dass es zwar zum Telefonieren reicht, nicht aber zum Synchronisieren der vielen Fotos – keine Chance. Immer wieder das gleiche Problem!!

Dann geht’s on the road, zum nächsten Ziel: Whitehorse. Es sind gut 500 KM, ein Klacks, für deutsche Verhältnisse. Doch hier sollte man auf der einen Seite die Geschwindigkeitsbegrenzung von 90 m/h beachten, teilweise ist es für uns Europäer landschaftlich immer wieder so beeindruckend, dass man eigentlich recht langsam hier durchcruisen möchte. Habe ja noch einen Tag Luft, will erst Mittwoch, einen Tag vor Charly, dort eintreffen. Kann mir also Zeit lassen.

Und so sieht’s aus, wenn man von einem schnelleren PKW, oder auch LKW, überholt wird:

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Man sieht einige Zeit so gut wie nichts, außer eine Staubwolke, so dass man sofort das Umluftgebläse einschaltet, und die Geschwindigkeit extrem reduziert, um den Nebel schnell vorbeiziehen zu lassen.

Mache an einem kleinen Visitor-Center Stopp, unterhalte mich fast eine Stunde mit dem dort arbeitenden gleichaltrigen David. Er hat 17 Jahre in Alaska gelebt, in einem Dorf, das, wie viele, auf dem Landweg nicht zu erreichen ist. Einzige Möglichkeit: Mit einem kleinen Flugzeug, oder einem kleinen Boot. Spannend! Doch auch sein jetziges Leben hier, abseits der „normalen“ Zivilisation, ist nicht weniger interessant, weil eben ganz anders als das, was wir so kennen. Im (kurzen) Sommer gibt es schon einige Kontakte zu Menschen, den Touristen, die hier vorbeikommen. Im (langen) Winter eher weniger. Dann fahren sie alle paar Wochen in die „Metropole“ nach Whitehorse (25.000 Einwohner), um dort einzukaufen. Ansonsten schießt er auch schon das eine oder andere Karibu, oder sonst ein Tier, das in seinem Garten darum bittet. Dieses „jagen“, um Fleisch für den Selbstverzehr zu bekommen, sehe ich etwas anders als die Jäger, die das Schießen als Sport bezeichnen. Aber das hatte ich an anderer Stelle bereits erwähnt, oder?

David gibt mir den Tipp, an einem kleinen Seengebiet, ca. 150 KM vor Whitehorse, zu pausieren, oder auch dort zu übernachten. Per Zufall sehe ich dann auch ein kleines Straßenschild, dass den Abzweig ankündigt.

Es gibt 4 oder 5 staatliche Campingplätze, ohne irgendeinen Service, wie gehabt, die ich ansteuern könnte, natürlich über eine Schotterpiste. Nach dem ersten Versuch, der nicht 7, sondern 9 Kilometer entfernt ist, gebe ich auf: In der Nähe ist zwar ein See, doch die einzelnen Plätze, auf dem Camping-Areal, sind im Wald, ohne jegliche Sicht, die ich ja immer brauche. Und da ich vermute, dass es bei den anderen ähnlich ist, mache ich kehrt.

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Bei diesen Urlaubern wüsste ich auch zu gerne, wo und wie sie „glampen“. Wo setzen sie ihr Cabrio ein? Wo und wie entstauben sie es? In diesem Teil der Welt nicht so ganz einfach. Das einzige, was mir dazu einfällt: Den „Top Of The World Highway“ eine Woche immer wieder rauf und runter zu fahren, bei gutem Wetter.

Suche abends in einem kleinen Dorf nach einem Stellplatz in der Nähe des Flusses, und kurz bevor der Feldweg am Ende der Welt zum Umkehren zwingt, finde ich „zufällig“ auch das, was ich mir wünsche. Sehe, dass noch ein Abenteurer das gleiche Bedürfnis, und den gleichen Riecher, hatte: Ein Schweizer.

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Geselle mich mit einem gebührenden Abstand in die Nähe, habe großen Hunger, muss mich entscheiden, welches Menü heute auf meine Speisekarte kommt: Ravioli, oder doch eher eine Gemüsesuppe, beides natürlich mit Parmesan.

Werde dann von meiner Nachbarin Sylvia zu einem Kaffee eingeladen. Nett! Da ich zu der Minderheit der nichtkaffeetrinkenden Deutschen gehöre, nehme ich die Einladung an, oder Verzehr. Sehr angenehmes wie interessantes Gespräch mit ihr und ihrem Mann Richard.

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Beide sind open-end Richtung Südamerika unterwegs, haben, wie ich, in Halifax die Tour gestartet. Höre von ihnen die Möglichkeit, ein deutsches Auto zu einem kanadischen werden zu lassen, zu akzeptablen Konditionen. Das Wichtigste dabei: Man ist dann auf dem gesamten amerikanischen Kontinent versichert!! Das hört sich nach einer extrem interessanten ökonomischen Lösung des Problems an. Der „Normalfall“ (für Touristen) heißt hier: Einige Tausend Euro pro Jahr Versicherung! Dieser Sache werde ich demnächst in Vancouver nachgehen.

Die beiden sind jetzt nach Alaska unterwegs, Ende August wieder in British Columbia. Vielleicht treffen wir uns … in ein paar Wochen, oder im nächsten Jahr in Südamerika, oder … irgendwann in der Heimat. Wir tauschen unsere Kontaktdaten aus.

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