31.7.2017, Montag, Dawson City, Tag 69

War ne ruhige Nacht hier im „Gebüsch“, auf dem ca. 1000 Meter hohen Berg.

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Fahre die paar hundert Meter bis zum Aussichtspunkt, wo ich den Tag ganz gemütlich angehen werde, zunächst mit einem guten Frühstück.

Ein junger Mann ist gerade dabei, diverse Kisten auf den Tisch zu tragen, um ebenfalls dort zu frühstücken.

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Klar, dass ich zu ihm gehe, mit ihm ins Gespräch komme. Bill, Ire, Meeresbiologe, hat einige Monate in Vancouver gearbeitet, was ihm jedoch nicht gefallen hat, so dass er sich dann für 2.400 Dollar eine Art Variant gekauft hat, nun seit einigen Wochen damit unterwegs ist, darin lebt. Während er sich 3 Eier in die Pfanne haut, bereite ich mir mein Brot mit Philadelphia und Tomaten vor, und einen Tee, so dass wir uns dann gemeinsam stärken und uns unterhalten. Finde es immer wieder interessant die unterschiedlichsten Reisenden zu treffen und mich mit ihnen zu unterhalten. Er ist extrem darauf bedacht Geld zu sparen, um so mit seinen Ersparnissen möglichst lange reisen zu können. Er ist sich nicht sicher, ob und wann er nach Europa zurückgeht. Seit 4 Jahren ist er mehr oder weniger on the road, u.a. in Neuseeland und Asien, seit 1 ½ Jahren in Kanada.

Dann kommt Karen (?) auf mich zu, sie spricht mich auf mein Auto an. Daraus wird auch ein sehr nettes und interessantes Gespräch. Mit ihrem Mann George (?) war sie 3 Wochen mit dem Kanu auf dem Yukon, sind ganz begeistert. Nun muss sie nach Hause nach Washington D.C., fliegt von Whitehorse, während ihr George mit dem 30 Jahre alten Allrad-VW-Bus langsamer gen Heimat fährt. Natürlich lade ich beide zum Frühstück ein, was vielleicht auch irgendwann realisiert werden könnte, da … sie Lehrerin ist, Interesse an unserem Projekt hat.

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Bin so gespannt, was aus all den Einladungen wird. Bin mir schon darüber im Klaren, dass die meisten Kontakte nicht nachhaltig sein werden. Doch wenn nur ein kleiner Prozentsatz zu weiterer Kommunikation führt – super! Doch auch die anfänglichen Gespräche sind einfach nett und meist interessant.

Habe eigentlich vor, an diesem absolut traumhaften Fleckchen, mit diesem grandiosen Blick über den Yukon, vor oder neben meiner rollenden Küche zu sitzen, um zu schreiben. Komme jedoch nicht wirklich dazu, mal wieder, da sich das nächste sehr interessante Treffen ergibt: Mit Gerhard, 69, der von ca. 35 Jahren aus Fulda nach Kanada ausgewandert ist, in der Nähe von Calgary, den Rocky Mountains, eine Elektrofirma aufgebaut hat. Vor ein paar Jahren ist seine Frau an Krebs gestorben. Er tourt mit seinem Allrad-Wohnmobil allein durch sein neues Heimatland, genießt, wie ich, das Leben, die Natur.

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Bringe das erste Mal meinen 2. Campingstuhl zum Einsatz, um es mir mit Gerhard gemütlich zu machen. Erzähle ihm von Charly und seinem Vorhaben. Er meint, dass hier überall Fachkräfte gesucht werden, dass es absolut kein Problem für ihn sein dürfte, einen guten und gutbezahlten Job zu bekommen.

Während ich die ersten Zeilen schreibe, fragt mich ein älterer Herr, ob ich meinen Wagen ein Stückchen weiterfahren würde, da er diesen Platz nutzen möchte, um von hier mit seinem Paraglider zu starten. Das ist natürlich auch eine Sache, die ich spannend finde, die mich an mein derartiges Erlebnis im letzten Jahr mit Charly in den Alpen erinnert. Auch wir haben uns damals bei ähnlichem Wetter von dem fallschirmartigen Schirm über die schneebedeckten Berge schweben lassen. Das war ein Urlaubshighlight, neben dem Skifahren bei blauem Himmel, Sonne und tollem Schnee.

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Es gibt schon die unterschiedlichsten Abenteuer, die das Leben bereichern und spannend machen können! Und nun bin ich – endlich bei Wohlfühltemperatur – zurück in Kanada, um in den nächsten Tagen und Wochen weiterhin viel zu sehen und zu erleben. Freue mich sehr auf Charly, hoffe auf gemeinsame Kanutouren auf dem Yukon, oder sonstige Erlebnisse!

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Dann kommt eine nette junge Dame, Sabine, Österreicherin,

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auf mich zu: „Kann man von Ihnen etwas lesen, Ihr Auto gefällt mir?“ Klar, warum nicht! Schreibe ja eigentlich für mich, für meine Familie, für interessierte Freunde, doch dieser „Blog“ ist ja öffentlich. Also warum nicht auch „Fremde“ einladen meinem digitalen Tagebuch zu folgen. Vielleicht kann ich so den einen oder anderen Leser/Leserin motivieren, sich irgendein Ticket zu kaufen, die Welt zu entdecken, ob in 100 KM Entfernung oder 10.000 – egal! Habe ja bereits gesehen, dass sich Leute auf „meiner Seite“ einklinken, die ich (noch) nicht kenne. Vielleicht lerne ich sie irgendwann kennen? Lass mich überraschen!

Auch ein längeres Gespräch mit Jochen und Kristina aus Stuttgart ist sehr nett und interessant.

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Auch sie reisen seit vielen Jahren abenteuerlich durch die verschiedensten Länder auf diversen Kontinenten. Vielleicht machen wir mal eine Tour gemeinsam?

Nachmittags im Visitor-Center, frage nach einem öffentlichen, starken Internet. Leider kann man mir nichts empfehlen, außer der Bücherei, die jedoch schon geschlossen ist.

Muss ein bisschen Proviant kaufen, stelle fest, dass hier alles sehr teuer ist, zum Beispiel ein Liter Milch 2,50 Dollar, Käse kostet doppelt oder auch dreimal so viel wie bei uns. Denke, dass in Whitehorse alles günstiger ist.

Kleiner Bummel durch die staubigen Straßen mit den bunten Häusern, die – ich sagte es schon – an Cowboy-Filme erinnern.

Dawson City war Ende des 19. Jahrhunderts eine Goldrausch-„Metropole“ mit 30.000 Abenteurern, Anfang der 1970er Jahre lag die Einwohnerzahl bei 900. In den Jahren drauf wurde die Stadt wiederentdeckt, der Tourismus begann.

Schaue mir aus Interesse das Hostel am gegenüberliegenden Ufer an. Bin sehr angetan von dem Sammelsurium des Betreibers mit deutschen Wurzeln, das der Location seine besondere Note verleiht.

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Dann fahre ich wieder „auf meinen Berg“, kann mich kaum sattsehen am berühmten Yukon-River mit seinen kleinen Inseln, der in Dawson City vom Klondike-River gespeist wird. Mache mir etwas zu essen, genieße den Blick.

Mein Stellplatz „im Gebüsch“ ist schon belegt, als ich dort ankomme. Macht nichts, ein paar Meter weiter steht ein schweizer Alkoven-Sprinter, neben den ich mich geselle.

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