30.7.2017, Sonntag, Dawson City, Kanada, Tag 68

Da ich vor einigen Wochen schon einmal hier in Tok war, kann ich mich daran erinnern, dass es in einem bestimmten Geschäft, in der Nähe des Visitor-Centers, WIFI gibt. Die Chance nehme ich war, um mit der Heimat zu telefonieren, dito mit meinem Sprinter-Freund.

Anschließend erstehe ich für 20 Dollar einen Knarrenkasten, und bin etwas beruhigter.

Als ich mich mit Diesel eindecke, erlebe ich ein Novum: Eine Tankstelle mit integriertem Waffenladen!

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Es würde mich sehr interessieren, wer wie, mit welcher Legitimation, hier ein Gewehr oder eine Pistole kaufen kann. Der Laden, beziehungsweise die Tankstelle, ist mir etwas unheimlich. So viele Waffen habe ich noch nie gesehen.

Dann geht’s weiter, Richtung Chicken. Das Wetter ist super, gestern Abend und heute Nacht hat es noch ordentlich geregnet.

Schade, dass ich mich während der ganzen Fahrt schon sehr auf die Straße konzentrieren muss, leider nicht die Möglichkeit habe, wie ein Beifahrer das Geschehen links und rechts der Strecke wahrzunehmen. Sicherlich hätte ich noch diverse Tiere gesichtet. Doch auch ich habe manchmal Glück, so auch auf diesem Teilstück, denn an einem kleinen See, direkt neben der Straße, sehe ich 2 Caribus, ein Junges, mit Mutter oder Vater, größer als ein Pferd. Stattliche Tiere! Ich gehe auf die Bremse, um anzuhalten, mir die wassertrinkenden Vierbeiner in Ruhe anzusehen. Doch … als ich näher kommen, suchen sie in den Büschen und Bäumen das Weite. Überlege eine kleine Pause zu machen. Vielleicht kommen sie ja nach einer Weile wieder zurück um zu trinken. Und genau so kommt es: Nach ca. 20 Minuten tauchen die beiden wieder auf, zeigen sich von ihrer besten Seite. Toll! Doch als auch ein weiteres Auto in unsere Nähe kommt, ziehen sie sich wieder zurück, und ich fahre weiter.

Ich erreiche Chicken, die alte Goldgräberstadt, ca. 80 km von der kanadischen Grenze entfernt.

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Es ist keine wirkliche Stadt, auch kein Dorf, nur einige Häuser die man für touristische Zwecke hergerichtet hat, und eine alte verrostete, doch imposante Förderanlage, mit der man vor ca. 100 Jahren Steine aus dem Berg geholt und sie auf das kostbare Edelmetall untersucht hat.

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Die Marketing-Leute haben schon einen guten Job gemacht, so dass die Hühnchen auf allen möglichen Merchandising-Artikel zum Kauf locken. Auch bietet man ein „Goldwaschen“ an …

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Das Erlebnis, eine kleine Schüssel mit Wasser und einer Art Sand hin und her zu schwenken, schenke ich mir.

Auch ne interessante Kneipe: Hier wird seit Jahren alles gesammelt: Von Nummernschildern über Baseball-Kappen bis zu Aufnäher von Polizei-Uniformen aus den verschiedensten Ländern.

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Da es meine letzte Station in Alaska ist, und ich vergessen habe mich mit ein paar Dosen Bier einzudecken, holte ich es hier nach, auch wenn es etwas teurer ist.

Die letzten Kilometer bis zur Grenze sind erneut recht holprig und sehr staubig, doch die Schlaglöcher auf der Schotterstrecke sind nicht so wie das, was ich noch sehr gut in Erinnerung habe.

Zu meinem Erstaunen gibt es keinen U.S.-amerikanischen Beamten, sondern nur einen Kanadier, der meinen Pass kontrolliert und mich fragt, wie lange ich in seinem Land bleiben möchte. Alles easy.

Kurzes Alaska-Resümée: Tolles Land, nette Menschen, grandiose Natur, eine faszinierende Weite. Denke, dass ich zum ersten, doch nicht zum letzten Mal in diesem besonderen Staat der USA bin.

Und dann … der „Top of the Word Highway“ …

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… die 100 km-Strecke nach Dawson City: Mir fehlen die Worte, ich mache zwar ein paar Fotos, bin mir sicher, dass sie nicht das wiedergeben, was man hier erblickt. Man hat wirklich das Gefühl, ganz „oben auf der Welt“, auf einem langen hohen Pass unterwegs zu sein. Rundherum Berge, in weiter Ferne. Hier habe ich nun wirklich Glück mit dem Wetter, das mir eine optimale Fernsicht ermöglicht. Es ist zwar auch eine Schotterpiste, doch sehr eben, ohne Schlaglöcher und Bodenwellen. Trotzdem fahre ich sehr häufig langsam, um diese optischen Genuss länger zu halten. Es gibt auch einige Möglichkeiten am Rande zu pausieren, auch zu übernachten. Das würde ich auch total gerne machen, nur habe ich die Befürchtung, dass das Wetter vielleicht morgen doch nicht mehr so ist wie heute, so dass ich durchfahre. Vielleicht komme ich ja aus Whitehorse noch mal mit Charly zurück! Wenn er schon mal in der Nähe dieser ganz besonderen Strecke ist, sollte er sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Ich habe in den letzten Wochen schon einige Male über Bilderbuch-Panorama-Strecken berichtet, versucht mein Staunen in Worte zu fassen. Doch das hier, es ist für mich der außergewöhnlichste und beeindruckenste Teil meiner bisherigen fast 17.000 KM-Tour!!

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Um Dawson City zu erreichen, muss man zunächst auf einer kleinen Fähre den Yukon-River überqueren. Erstaunlicherweise kostenlos. Der erste Eindruck dieser laut Reiseführer „hippesten Stadt Kanadas“: Die alten renovierten Häuser vermitteln das Bild eine „Western-Stadt“, in der jeden Augenblick John Wayne um die Ecke kommen könnte. Viele alte hölzerne Gebäude warten noch auf eine Instandsetzung. Ebenso besonders: Die Straßen sind alle nicht asphaltiert, sondern lehmig, sandig. Auch das verstärkt natürlich das Coyboy-Feeling.

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Habe einen ziemlichen Hunger, werde mir zum Ende des ereignisreichen Tages in einem Restaurant ein leckeres Mahl gönnen. Da die Temperatur es zulässt, sogar draußen auf einer hölzernen Veranda. Leider ist das Internet so langsam, dass ich nach dem Essen nicht damit arbeiten kann. Wo soll ich schlafen? Da es mitten in der 1.000-Einwohner einen Campingplatz gibt, und ich mir gerne noch in einer der Bars, die tatsächlich die Pendeltüren aus einem Western haben, ein oder zwei Bierchen trinken möchte, steuere ich diesen an. Und … er ist voll. Na ja, das Pech kann ich verkraften. Fahre etwas umher, um zu schauen, wo sich ein Stellplatz bieten könnte. Heute ich wirklich mein besonderer Sightseeing-Day: In ca. 100 Meter Entfernung läuft eine Schwarzbär über die Straße, später sehe ich noch einen Fuchs. Lande zufällig auf einem Berg, dem „Midnight Dome“: Auch hier, wie auf dem eben beschriebenen Highway, eine tolle Rundrum-Aussicht, mit einem schönen Sonnenuntergang.

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Nehme mir vor, morgen in aller Frühe erneut hier zu sein, so dass ich in der Nähe, auf einem Feldweg, mein Auto parke.

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