28.7.2017, Freitag, Denali Highway, Tag 66

Lerne Graham kennen.

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Er ist mit einer Gruppe Jugendlicher aus Montana, ca. 2.000 km entfernt, hier angereist. Sein Ziel, und das der anderen Verantwortlichen, mit einer sozialpädagogischen Maßnahme die Jungs und Mädels aus „schwierigen Verhältnissen“ auf einen anderen Weg zu bringen. Sie helfen unter anderem in entlegenen Dörfern den Natives beim Häuserbauen. Graham hatte sich schon vor unserem Gespräch über den Hintergrund meiner Fahrzeug-Werbung im Internet informiert. Von der „Frühstücks-Idee“ ist er auch ganz angetan. Schlage ihm vor, dass die Jugendlichen auch auf andere Menschen zugehen, sie zum gemeinsamen Essen einladen. Er will es versuchen. Gebe ihm einige der Karten, bin gespannt, ob ich irgendwann ein Feedback bekomme. Könnte mir vorstellen, bei meiner nächsten Reise einen Abstecher nach Montana zu machen …

Wir bleiben im Kontakt.

Unterhalte mich am Frühstückstisch des Hostels mit 2 jungen Mädels aus Kalifornien …

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… die hier ihre Reise beginnen, auch teilweise zelten wollen. Da sie sich bisher nicht mit der Bären-Gefahr auseinander gesetzt haben, erzähle ich von meinen Erfahrungen, und … entschließe mich, mein Geschenk an die beiden weiterzugeben. Darüber freuen sie sich sehr, denn das Spray kostet zwischen 50 und 60 Dollar. Schlage ihnen vor, gemeinsam daraus eine kleine Geschichte entstehen zu lassen, dass sie einige ihrer Erfahrungen niederschreiben, im Zusammenhang mit dem Bär-Spray, das sie hoffentlich nicht benötigen. In diesem Falle sollten sie es bitte weiterverschenken, auch von den nächsten einen kleinen Bericht erbitten. Vielleicht gibt es so eine nette Kette.

Verabschiede mich von Josh und seinem Kumpel.

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Möglicherweise treffen wir uns in ein paar Tagen, oder in einer Woche wieder, da sie auch in meine Richtung fahren, nach Dawson City. Da ich einen Schlenker über den Denali-Highway plane, sind sie mir zunächst etwas voraus, ich müsste sie eigentlich irgendwann einholen.

Führe noch ein längeres Telefonat mit Kordula, versuche ebenso meinen Sprinter-Freund zu erwischen – leider erfolglos. Dann geht’s on the road, bei bestem Wetter.

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200 Kilometer weiter ärgere ich mich etwas über den Sprit-Preis, der an der Tanke um 1 Dollar ( = 1/3 des sonstigen Preises) höher ist.

Die Strecke ist wirklich so, wie ich sie vor ein paar Tagen beschrieben bekommen habe: Eine der schönsten in ganz Alaska. Auch dieser Highway ist fast ausschließlich eine Schotterpiste, die zwar nicht ganz die Qualität des Dalton hat, doch auch die Schlaglöcher und Bodenwellen lassen meine Wohnzimmer-Einrichtung ganz schön klappern. Der große Unterschied zu der „800 Kilometer-Teststrecke“: Hier sind es insgesamt nur knapp 200 Kilometer.

Landschaftlich so, dass ich ne Menge Fotos schieße, die aber demjenigen, der das nicht wirklich mit eigenen Augen gesehen hat, wahrscheinlich eher nichtssagend sind. Fotos können halt nur begrenzt abbilden.

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In diesem Teil Alaska sind sie offensichtlich hochtechnisiert: Während bisher immer eine Person mit einem Stopp-Schild zum Warten an einer Baustelle aufgefordert hat, sehe ich hier zum ersten Mal eine Ampel.

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Mache diverse kleine Pausen, überlege, ob ich hier nicht irgendwo die Nacht verbringen soll. So viele tolle kleine Stellplätze, etwas abseits der extrem verkehrsarmen Straße, habe ich selten gesehen. Überall die faszinierende Bergkulisse. Gut, dass ich den Umweg gefahren bin, diese Etappe noch mitnehme, bevor es dann nach Kanada geht.

Und auch hier: Päules unterwegs.

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Und auch hier: Keine leichte Aufgabe!

Und dann … das Abenteuer, das eigentlich schon überfällig ist, auf das ich aber gerne hätte verzichten können: Mein Hightech-Auto gibt mir im Display zu erkennen, dass der Luftdruck des Reifens hinten links nachlässt. Sch … !!! Und das hier in der Pampa. Mein Glück im Unglück, Zufall Nummer 1: Ich bin nicht allzu weit von einem kleinen Platz in der Nähe eines Flusses entfernt, wo auch noch ein anderer Camper mit seinem Anhänger steht. Ich glaube, dass ich in der letzten Stunde vielleicht 5 Autos gesehen habe. Und jetzt … bin ich zumindest nicht allein. Als ich aussteige und mir den Reifen ansehe, höre ich sogar das Pfeifen des Luftaustritts.

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Einer meiner Gedanken: Hätte ich diese Situation, die ja bei der Reise, bei diesen Straßenverhältnissen, keine wirkliche Überraschung ist, nicht als Trockenübung zuhause mal durchspielen und einen Testlauf machen können? Tja, wäre von Vorteil gewesen. Doch gleichzeitig denke ich auch daran: Besser hier bei gutem Wetter, als vor ein paar Tagen bei Regen und Kälte. Mache mich zunächst mit den Infos in meinem Bordbuch vertraut, schreite dann zur Tat, in dem ich die Befestigung des Reserverades lösen … möchte. Erlebe dann eine Überraschung: Der 90 Grad Schraubenschlüssel, mit dem ich die beiden Schrauben unter der Hecktür lösen muss, passt nicht, da auf der linken Seite die Edelstahlwanne meiner Nasszelle im Weg ist. Das heißt, ich kann das Werkzeug nicht auf die Schraube setzen. Sch … !!! Sehe, dass in 20 Meter Entfernung mein „Nachbar“ gerade sein Abenteuer-Mobil (ähnlich eines Quads, nur für 4 Personen) auf seinen Hänger fährt. Gehe zu ihm, frage, ob er mir helfen kann. Ich weiß zwar nicht wie, doch ich bin mit meinem Latein am Ende. Netter Kerl – kommt sofort. Er schaut sich das Problem an, geht zu seinem Wohnmobil, kommt mit einem Knarrenkasten wieder. Hat er metrisches Werkzeug, die richtige Nuss? Erstaunlicherweise ja (Zufall Nummer 2!!). Gemeinsam liegen wir unter dem Auto, um die Halterung des Rades zu lösen. Alleine hätte ich das (wahrscheinlich) nie geschafft. Da der Gute sieht, dass ich wenig bis keine Routine habe, nimmt er das Zepter in die Hand, und … in ca. einer halben Stunde ist das Rad gewechselt. Frage ihn, ob ich mich mit einem Bier bedanken kann. Er willigt ein, so dass wir an seiner Feuerstelle letztendlich einige Bierchen trinken. Als ich ihm von meiner „Mission“ erzähle, teilt er mir mit, dass seine Frau Grundschul-Lehrerin ist (Zufall Nummer 3!). Sie kommt aus ihrem Wohnmobil, ich zeige ihr unsere Power-Point-Präsentation, lade natürlich beide … zum Frühstück ein.

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Es beginnt ein netter Abend am Lagerfeuer, etwas später kommen 2 Motorrad-Fahrer „auf unseren Platz“. Ein Päarchen, das nach dem Abstellen ihrer beiden BMW mit einer Whiskey-Flasche zu uns kommt, fragen, ob sie in der Nähe zelten können. Klar! Sehr netter Abend!

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Bin sehr gespannt, ob mein „Rad-Helfer“ das Angebot annimmt und das Frühstück irgendwann in Deutschland stattfindet. Er kennt nicht viel von Europa und Deutschland, doch er hat gehört, dass es „da drüben“ viele verschiedene Biersorten geben soll. Verspreche ihm einige Tests zu ermöglichen.

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