22.7.2017, Samstag, Flugplatz Galbraith, Tag 60

Schaue aus dem Fenster: Regen!

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Also lasse ich mir Zeit, frühstücke in aller Ruhe, starte dann die nächste Etappe, ca. 160 km bis zum Ziel.

Auf der 2. Hälfte der Tour ist der Highway deutlich schlechter, und … man kann den Schlaglöchern nicht mehr so gut ausweichen, da sich eine Pfütze an die nächste reiht, man nicht sieht, wie tief die Löcher sind. Augen zu und durch – das wäre nicht zu empfehlen. Man muss schon sehr wachsam sein, da der Schlamm recht rutschig ist. Glücklicherweise habe ich den Gebirgsteil hinter mir, befinde mich jetzt in der Tundra, es geht fast nur geradeaus. Ähnlich flaches Land hatte ich vor langer Zeit bereits in Kanada, doch hier hat man wirklich das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Das Wetter passt dazu: Regen, Wind, 7 Grad. Jetzt mit dem Motorrad, oder noch schlimmer, mit dem Fahrrad – nein danke. Das sind dann die Augenblicke, wo ich die 4 Räder genieße, die Freiheit, irgendwo, wo auch immer, ne Pause machen zu können, oder auch zu übernachten. Und … mit einer Heizung, die für die Temperatur sorgt, die ich mir wünsche. Auch wenn ich in diesem Leben wahrscheinlich kein großer (oder auch kleiner) Koch mehr werde: Ein kleiner Kühlschrank mit Proviant ist schon ne feine Sache. Bin sehr gespannt, wie meine weitere Motorrad-Karriere verlaufen wird. Wenn auf 2 Rädern, dann in Teilen der Welt, die gutes Wetter verheißen.

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Meine Scheiben an den Seiten sind mittlerweile so verschmutzt, dass man nichts mehr dadurch sehen kann. Bei einigen Schlaglöchern spritzt es von den Vorderrädern bis zur Fahrer- und Beifahrerseitenfenster. So etwa habe ich noch nicht erlebt. Auch hier wieder der Gedanke an die Zweiradfahrer. Es ist für sie die reinste Schlammschlacht, ohne schützende Hülle, und das über Stunden, bei den Unmotorisierten sind es sogar Tage!! Welch eine Tour!

Es ist ein Härtetest für mein Auto. Mittlerweile kann ich verstehen, dass die Autoverleihfirmen ihren Kunden nicht gestatten, mit dem Wagen von Fairbanks gen Norden zu fahren. Manchmal habe ich schon ein mulmiges Gefühl, mit welchen Blessuren mein Rolling Home dieses Abenteuer übersteht. Hält mein Mobiliar? Die Schränke, Schubladen, Fenster? Wenn das alles ohne Probleme über die Bühne geht, bekommen meine beiden Autobauer in der Heimat demnächst einen Orden. Sicherlich habe ich in der Vergangenheit, ob in Osteuropa oder sonstwo, schon schlechte Straßen erlebt, doch das hier ist, in der Länge der Schlaglochpiste, die Krönung. Ich weiß nicht, was jetzt besser ist: Ein altes Auto, bei dem schon mal etwas in die Brüche gehen kann, oder ein relativ neues Gefährt, das eigentlich „unverbrauchter“ ist, das jedoch aufs Heftigste strapaziert wird. Aber ich bin ja nicht unterwegs, um nur die perfekten Straßen zu fahren. Meinen Sprinter sehe ich als Abenteuer-Auto, mit dem ich hoffentlich viel erleben werde, in unterschiedlichen Ländern, unter anderem auch auf nicht asphaltierten Pisten. Also ist das jetzt hier ein Test. Besser hier, in der Zivilisation, als zum Beispiel in den Anden, wo man nach einer ähnlichen Strecke sicherlich weniger Möglichkeiten hat, gewisse KFZ-Probleme zu beheben. Also: Alles gut! Wieder zurück in Fairbanks werden wir sehen …

Nach abenteuerlichen und, wie gesagt, sehr holprigen 4 Stunden, teilweise bei Weltuntergangswetter, erreiche ich Deadhorse!

Geschafft!! Am Ziel, am nördlichsten Ende Alaskas, nach … 14.800 KM !!! Nun kann die Reise losgehen!!

Was das heißt? Hier beginnt nun eine/meine „Traumstraße der Welt“: Von Alaska nach Feuerland!! Und genau das habe ich vor!! Nicht non-stop, sondern in Etappen. Der erste Abschnitt endet (hoffentlich) in Vancouver, so wie geplant. Und dann geht’s, sehr gemütlich und beschaulich, weiter gen Süden, in Etappen. Bin sooooo gespannt!!!

Wie ist nun Deadhorse, Prudhoe Bay? Hatte keine genaue Vorstellung, was es bedeutet, in einer „künstlichen Stadt“ zu sein, einer Stätte, die ausschließlich aus Container-Häusern besteht, in der es kein „normales“ Leben gibt. Hier wir nur gearbeitet und geschlafen. Das, was es hier, am Ende der Welt, gibt, sind unzählige Maschinen, Geräte, LKW, die nur zu einem Zweck hierhin gebracht wurden: Um Öl zu fördern. Teilweise an Land, teilweise auf dem Meer.

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Hier gibt es wirklich nichts zu machen oder zu sehen, außer die gerade erwähnten Anlagen. Und die auch nur aus weiter Ferne: Überall stößt man an Grenzen, Schranken, Schilder, die erklären, dass es verboten ist, weiter zu fahren. Bei einer derartigen Fahrt stürzen 2 aufgebrachte Männer aus ihrem Kontroll-Häuschen, machen mir unmissverständlich mit Handzeichen aus einer ziemlichen Entfernung klar, dass ich sofort umzudrehen habe. Haben sie Angst, dass ich mit meinem für sie undefinierbaren Fahrzeug die Schranken durchbreche, einen Anschlag verübe? Ich denke schon, dass vielen dieser Wärter diese Gefahr sehr bewusst ist. Ich erinnere mich an die Umgebung von Homer, am Ende dieser Pipeline, wo eben auch die Areale der Ölgesellschaften Hochsicherheitsgebiete sind, sie extrem bewacht werden.

Es gibt auch keine normale Tankstelle, nur eine Station, einen abgewrackten Container, in dem man mit seiner Kreditkarte Benzin und Diesel kaufen kann. Alles automatisiert. Lerne beim Tanken ein sehr nettes junges Päarchen kennen: Er aus Texas, sie aus der Türkei. Auch mit ihnen hätte mich gerne länger unterhalten, doch sie sind etwas in Eile, auf dem Weg gen Süden. Er macht mich auf den Luftdruck meiner Reifen aufmerksam, hat ein Testgerät, in der Größe eines Kugelschreibers. Es fehlt tatsächlich etwas Luft. Nach einer Stunde Recherche finde ich jemanden, der mir helfen kann.

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Er hat einen „Luftwagen“, bedient wohl so die Trucker.

So ein Lehm-Auto habe ich weder selbst irgendwo gefahren, noch habe ich so etwas je gesehen. Heftig! Die Scheiben der kompletten rechten Seite sind nicht mehr transparent!

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Das Wetter ist mittlerweile super, die Sonne scheint, es sind 7 Grad, es weht ein eiskalter Wind. Auch diese Container-Ansammlungen haben ihren Reiz. So etwas habe ich in dieser Form noch nie gesehen. Ein zusammengesetztes Hotel:

 

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Nein, ich bin hier nicht für dieses Foto in den Flieger gestiegen. Es ist erneut ein Foto vom Foto, um aus dieser Perspektive zu zeigen, wo es hier aussieht:

 

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In gleichen Baukästen-Häuser, oder besser gesagt –Zimmern, wohnen die vielen Arbeiter.

Die Zeit vergeht wie im Fluge, ich entscheide mich in einem Hotel (das nicht für Touristen, sondern für hier Arbeitende gedacht ist) ein Abendessen zu mir zu nehmen, mich dann wieder auf den Weg zurück zu machen.

Die erste Stunde der Fahrt habe ich noch etwas Sonne, dann nimmt sehr schnell die Bewölkung zu, er regnet, es gießt. Ich weiß nicht, was lauter ist, das Prasseln des Regens auf der Windschutzscheibe, oder das Rappeln hinter mir. Immer wieder hoffe ich, dass nicht unterwegs irgendetwas zu Bruch geht.

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Fahre bis 0:45 Uhr, bis zu einem der beiden auf der gesamten Strecke gekennzeichneten Campingplätze. Das heißt, einige Meilen davor ist ein kleiner Flugplatz, der sehr verwaist ist, sehr ruhig, da etwas abseits vom Highway. Vielleicht habe ich ja morgen etwas Glück mit dem Wetter. Bin so müde, so dass ich noch nicht mal eine verdiente Dose Bier trinken kann.

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