21.7.2017, Freitag, 160 KM vor Deadhorse, Tag 59

Um 9 Uhr beginnt der Tag, ohne Frühstück, da ich mich so bald wie möglich auf den Weg machen will. Bin totaaaal gespannt, was mich auf dem „Dalton Highway“, auf den 800 KM nach Deadhorse, erwartet.

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Es ist der „Kult-Highway“ in Alaska, den viele Abenteurer befahren, die Arktis-Erfahrung schnuppern wollen. Jeder, der sich mit diesem Thema ansatzweise auseinandersetzt weiß, dass es keine reine Spazierfahrt ist, da man überwiegend auf Schotter unterwegs ist. In allen Reiseführern und Broschüren wird man darauf hingewiesen, dass die Strecke in keinem guten Zustand und dazu teilweise einspurig ist, dass die LKW-Fahrer mit ihren Riesen-Trucks nicht sehr rücksichtsvoll sind. Man sollte diverse Ersatzteile mitnehmen, häufig wird zu 2(!) Reserverädern geraten.

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Da es auf der ganzen Strecke nur eine Station gibt, wo man zivilisatorische Utensilien wie Benzin, Nahrungsmittel, Wasser, etc. erwerben kann. Jeder Abenteurer muss sich für die Zeit, die er dort voraussichtlich unterwegs ist, Vorräte anlegen. Also führt mich mein Weg zu Safeway, wo ich mich mit den entsprechenden Dingen eindecke. Kaufe mir nach langer Zeit mal wieder einen Kakao an der Tanke, esse eine Banane, dann geht’s los. Das Wetter ist so, wie es sein soll: Blauer Himmel, die Sonne lacht, wir haben morgens 20 Grad.

Aus Fairbanks raus ist es noch der Elliot-Highway, dann, nach ca. 80 km, beginnt offiziell die berühmt berüchtigte Piste.

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Die erste Sehenswürdigkeit ist ein Teil der Pipeline, deren Röhren man hier auf Hochglanz gebracht hat.

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Ihr begegnet man eigentlich überall, dass sie durchs ganze Land führt, komplett von Norden, von den Ölfeldern um Deadhorse oder Prudhoe Bay, bis nach Homer, am südlichsten Ende, wo das schwarze Gold in riesigen Tanks gelagert, bis es dann mit Schiffen weiter transportiert wird.

Die Schotterpiste ist zwar ungewohnt, doch (noch) nicht sonderlich problematisch. Es gibt diverse Schlaglöcher, doch wenn man aufpasst, kann man sie häufig umfahren. Verkehr gibt es so gut wie gar nicht, man hat das Gefühl allein auf der Piste zu sein. Doch schon bald nehmen die Winterschäden zu, man muss sich konzentrieren, vor allem, wenn ab und zu ein „König der Landstraße“ aus der anderen Richtung kommt.

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Dann heißt es vorsichtig so weit wie möglich rechts ran (Seitenstreifen gibt es grundsätzlich nicht), die Geschwindigkeit extrem reduzieren, um speziell Windschutzscheiben-Schäden durch Steinschlag zu vermeiden. Wieder ist es die Weite, die die Landschaft zu einem Erlebnis werden lässt.

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Dann kommen mir die ersten Motorradfahrer entgegen. Das ist sicherlich noch mal ein spezielles Abenteuer, die Natur nicht in einer Blechkiste, sondern auf 2 Rädern, ohne Drumherum, viel direkter zu erleben.

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Lunchpause in der Sonne mit optimiertem Kartoffelsalat (mit Gurken, Ei und Tomaten).

Über den Yukon-River führt die größte Holzbrücke Alaskas, ein sehr außergewöhnliches und eindrucksvolles Bauwerk.

In der Nähe gibt es ein kleines Visitor-Center, in dem ich mich ne Weile mit der netten ehrenamtlichen Frau unterhalte, die mir erzählt, dass es in den USA viele derartige staatliche „Jobs“ gibt. Das, was sie erhalten, ist nur ein freies Wohnen, in einem kleinen Häuschen, und Verpflegung. Erzähle ihr von meinem Vorhaben, lade sie – wie sollte es anders sein – zum Frühstück ein, irgendwo, irgendwann.

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Das Foto habe ich (leider) nicht selbst gemacht, es ist ein Foto vom Foto.

So sehen die Autos aus, die aus nördlicher Richtung kommen. Witziger Spruch: „Live TV“:

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Und dann taucht er auf: Der erste vom Team „Päule“, erstaunlicherweise mit leichtem Gepäck.

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Vielleicht hat er einen „Service-Wagen“ dabei? Auch hier, wie auf den bisherigen Highways: Ich weiß nicht, ob ich diese Gruppe von Abenteurer bewundern oder bedauern soll. Ich denke beides. Hier ist es jedoch noch mal eine Steigerung, die mit der Distanz und dem Zustand der Schotterpiste einhergeht. Würde sehr gerne mit einem der Radler sprechen und hören, mit welcher Einstellung, mit welcher Vorbereitung sie hier ans Werk gehen.

Nach ca. 2 Stunden Rüttelei dann ein Schild, dass wahrscheinlich von jedem Touristen abgelichtet wird: Hier findet die Polarkreis-Überquerung statt.

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Ein interessantes Motorrad-Päarchen: Er aus Chile, sie aus Spanien.

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Das Motorrad der zierlichen Frau ist so beladen (auch vorne Packtaschen), wie ich es selten gesehen habe. Sie hat auch ganz offensichtliche Probleme, ihr Gefährt zu rangieren. Mit ihnen würde ich mich gerne unterhalten, doch sie machen nur, wie ich auch, einen kurzen Halt.

Ca. hundert Kilometer weiter, an einem der wenigen ausgezeichneten Raststätten, treffe ich sie wieder. Er hat, wie er mir sagt, ein „verrücktes Spielzeug“, eine Drohne, die er sich vor ein paar Tagen für 1.300 Dollar gekauft hat. Spannend. Daran hätte ich auch Spaß.

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Dann der nächste Fahrrad-Fahrer, mit mächtigem Gepäck.

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Nach 250 Meilen (400 KM) erreiche in Coldfoot, kein wirkliches Dorf, sondern nur ein paar Wohncontainer, mit einem Trucker-Restaurant und der einzigen Tanke bis Deadhorse. Der Sprit ist sehr teuer: Während man normalerweise zwischen 2,60 und 2,80 Dollar für 1 Gallone (2,8 Liter) zahlt, verlangt man hier 4,40 Dollar. Es führt jedoch kein Weg daran vorbei.

Da ich keine Zeit für eine weitere notwendige Mahlzeit habe, gibt’s Brot mit Camenbert, während der Fahrt.

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Erreiche die Brooks-Range (Gebirge) – toll.

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Leider wird das Wetter schlechter, die Bewölkung nimmt zu.

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Fahre bis 23:30 Uhr, es hat mittlerweile angefangen zu regnen. Bin müde, suche nach einer Gelegenheit mit irgendwo hinzustellen. Geselle mich zu 2 anderen Campern, auf einem Schotterweg, nur einige Meter vom Highway entfernt. Leider gibt es hier wenige bis keine Möglichkeiten ein wirklich abgeschiedenes Plätzchen zu finden.

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