16.7.2017, Sonntag, Fairbanks, Tag 54

Wache um 8 Uhr auf, freue mich über die sonntägliche Ruhe, und … über sehr angenehme 18 Grad. Es ist ein bisschen bewölkt, doch gehe ich nicht davon aus, dass sich das gestrige Wetter wiederholt. Mache einen kleinen Spaziergang, um möglicherweise eine Kirche zu finden, die mich anspricht, in die ich zu einem Gottesdienst gehen kann. Zufälligerweise ist direkt gegenüber meines Schlafplatzes das Gemeindehaus der „Nenana Bible Church“, und es findet hier auch um 11 Uhr ein Gottesdienst statt. Bin aber nicht davon überzeugt, dass das der richtige Ort für mich ist, da mich die beschriftete Tafel im Eingangsbereich etwas abschreckt. „“For the wages of sin is death: But the gift of God ist eternal life through Jesus Christ our Lord“. Vielleicht verstehe ich das auch nicht richtig.

Bummel gemütlich durch die leeren Straßen, freue mich über diverse bunt angemalten Häuser …

IMG_0723

IMG_0737

… lande dann an einem Schild …

IMG_0724

… einem für mich sehr attraktiven Haus, das mir das Gefühl gibt, das gefunden zu haben, was ich jetzt brauche: Ein gutes sonntägliches Frühstück!

IMG_0725

Vielleicht sollte ich auch hier gezielt versacken? So eine kleine Hausbrauerei könnte doch der dafür richtige Ort sein. Gehe die paar hundert Meter zurück zu meinem Auto, parke dann direkt vor dem Haus. Komme mit einem netten älteren Herrn ins Gespräch, dem mein außergewöhnliches Nummernschild auffällt. Überlege kurz, ob ich ihn zum Frühstück einladen soll, mit meiner bunten Karte. Doch da er sagt, dass er hier verabredet ist, erübrigt sich dieses Thema.

Das Interieur ist ebenso besonders wie die äußere Gestaltung des Hauses, ein Blick in die Speisekarte steigert meinen Appetit in Hunger auf … ein typisches amerikanisches Frühstück. Und … sie haben sogar WIFI! Rufe dann erstmal zuhause an, während ich auf meine Kalorienbombe warte.

IMG_0727

IMG_0734

IMG_0730

Eine Art Omelett, mit Kartoffeln, Käse, Ei und Schinken, einer Tomatensauce, die wie selbstgemacht schmeckt. Dazu ein paar Scheiben Toast mit … I don’t know, einer Mischung zwischen Mayonnaise und Sour Creme.

IMG_0732

IMG_0733

Obwohl ich Hunger habe, bin ich mir nicht sicher, ob das nicht eine Portion ist, die mich überfordert. Doch es ist saulecker, bin wenig später pappsatt. Das war dann wohl mein „Gottesdienst-Alternativ-Programm“. Gerne hätte ich jetzt auch noch das Hausbier probiert, doch scheint es mir dann doch nicht die richtige Zeit dafür zu sein.

Sollte ich den Sonntag in diesem Dorf verbringen? Ein anschließender Verdauungsspaziergang, bei dem ich mich frage, was die angelehnten Skier an der Hauswand wohl zu bedeuten haben …

IMG_0738

… bringt mich zu der Entscheidung weiter zu ziehen, die restlichen 50 Meilen nach Fairbanks in Angriff zu nehmen.

Kurz vor dem Highway entdecke ich ein kleines ansprechendes Visitor-Center, das mich neugierig macht. Die dort arbeitende nette Dame, wahrscheinlich auch wieder eine Ehrenamtliche, kann mir leider keine Attraktionen bieten, die mich doch noch hier halten könnten. Toll finde ich jedoch die 1917(!) geborene Idee, jährlich einen Wettbewerb stattfinden zu lassen, mit dem man auf der einen Seite soziale Projekte unterstützt, auf der anderen Seite eine stattliche Summe Geld gewinnen kann: Man muss voraussagen, wann im nächsten Frühjahr an einer bestimmten Stelle des Ortes das Eis schmilzt, es so dünn wird, dass es bricht. Mein Einsatz: 2,50 Dollar, mein Tipp: Am 24. April 2018 um 13:02 Uhr. Hoffe auf einen großen Gewinn!

IMG_0740

IMG_0741

In Fairbanks steuere ich mal ausnahmsweise ein Hostel an, das mich im Reiseführer anspricht: Das von einem Schweizer geführte „Sven’s Basecamp“. Möchte dort kein Zimmer mieten, auch kein Bett ein einem Schlafsaal beziehen, sondern mit meinem Mobil dort campen. Und das klappt dann auch. Sven ist ein sympathischer Typ, der vor 8 Jahren dieses Hostel aufgebaut hat, hier seiner Leidenschaft nachgeht, im Winter an Hundeschlittenrennen teilnimmt.

IMG_0765

IMG_0764

IMG_0763

IMG_0760

Er hat hier wirklich ein tolles „Basecamp“ aufgebaut!

Lerne Gai …

IMG_0746

und Paul …

IMG_0747

kennen. Sie haben sich vor ein paar Monaten in Argentinien, wo sich der junge Israeli für 2.000 Dollar ein Motorrad gekauft hat, kennengelernt. Seit dem sind sie befreundet, haben diverse Tausend Kilometer gemeinsam hier nach Alaska zurückgelegt. Paul, Anfang 40, Kandaier, aus der Nähe von Vancouver, ist seit 2 Jahren mit seiner BMW unterwegs, findet als ausgebildeter Physiotherapeut überall Arbeit. Lade die beiden zu einem kalten Bier ein, bin sehr interessiert an ihren Berichten über ihre Erfahrungen in Südamerika. Beide sind total begeistert von den unterschiedlichen Ländern, den überall sehr netten, gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen, der ganz besonderen Natur. Vielleicht sollte ich doch das komfortable Wohnmobil gegen eine Reise-BMW eintauschen?? Der Reiz ist sehr groß, wenn auch (momentan) unrealistisch.

Dann kommen noch 2 weitere Biker, die ebenso interessant sind: Brian, Engländer, oder XY, Israeli. Sie sind grundsätzlich allein unterwegs, haben sich vor ein paar Wochen kennengelernt, reisen seitdem zusammen. Brian hat seine britische BMW über den Atlantik gebracht, reist 10 Wochen durch diesen Teil der Welt. Mit dem Israeli unterhalte ich mich leider nicht, erfahre jedoch, dass sie beide gleich alt sind: 71 Jahre!!! Sieht man beiden nicht an. Motorradfahren hält offensichtlich jung! Also sollte ich mich vielleicht doch auf 2 Räder konzentrieren. Nur wann? Glaube nicht, dass ich in den nächsten Jahren dazu die Zeit finde. Lebe erst mal den jetzigen Traum …

IMG_0753

Verabrede mich mit den Bikern zu einem gemeinsamen Abendessen. Robert hatte bereits Sachen zum Grillen gekauft, ich fahre zum Safeway (Supermarkt), um einige Dosen Bier beizusteuern.

Noch ein Anmerkung, die mich nachhaltig beschäftigt: Als wir gemeinsam die Dosen Bier öffnen und uns zuprosten, anstoßen, kommt ein Anstoßen nicht zustande: Das mit dem älteren Israeli. Er ist sehr merkwürdig,  was ich nur so interpretieren kann, dass er Schwierigkeiten mit Deutschen hat. Ich kann’s nicht ändern.

Es gesellt sich noch ein junger Italiener zu uns, der vor ein paar Wochen aus Europa in Anchorage angekommen ist, sich dort für 1.800 Dollar ein Auto gekauft hat.

IMG_0767

Damit will er genau die Strecke fahren, die auch ich im Visier habe: Von Alaska nach Feuerland.

Sehr netter Abend mit den Jungs.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s