13.7.2017, Donnerstag, Denali Park, Tag 51

Als ich aufwache, ist mir gar nicht richtig bewusst, wo ich hier gelandet bin. Realisiere bei einem kleinen Spaziergang ein Schild, ein paar Meter von meinem Auto entfernt „No camping“. Muss ich mich angesprochen fühlen? Ich glaube ich campe nicht, oder? Ich schlafe nur in meinem Auto. Denke, dass ich mit meinem untypischen Reisemobil auch nicht wirklich auffalle, und … dass die Leute nicht so kleinlich sind. Diese Schilder gibt es schon an einigen Stellen. Verstehe ich auch. Wenn sie nicht da wären, würden alle Wohnmobile an irgendwelchen Parkplätzen „campieren“.

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Talkeetna ist auf den ersten Blick ganz nett. Es gibt eine Straße in dem Dorf, das offensichtliche Zentrum, in der ein paar schöne alte Holzhäuser stehen, die man für die Touristen nett hergerichtet hat.

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Erlebe jedoch, da ich genau dort, an einem kleinen Public Parc, längere Zeit verweile und frühstücke, dass es hier eine Touristenhochburg ist. Je weiter der Morgen fortschreitet, desto mehr Menschen strömen in die besagte Straße, in der es jede Menge Souvenirs zu erstehen gibt, und die unterschiedlichsten Ausflüge und Aktivitäten für die Erlebnishungrigen angeboten werden. Hatte ja eigentlich vor, hier einen ruhigen Tag einzulegen, doch diese „Kirmes“ gefällt mir nicht. Also ziehe ich weiter, Richtung Denali Park.

Ich denke, dass ne Menge Touristen mit dem Zug hier ankommen.

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In Alaska gibt es nur eine Eisenbahnlinie, die aus dem Süden, von der Kenai-Halbinsel, über Anchorage nach Fairbanks führt. Dieser sogenannte Panorama-Zug, der auch besonders touristisch beworben wird, den ich bei der Planung zuhause auch schon im Visier hatte, hält nur an den wenigen Zielen, die touristisch interessant sind. Oder, besser gesagt, die mit viel Aufwand so aufgepeppt werden, dass einheimische und ausländische Touris bereit sind, hier ein paar Stunden, oder Tage, zu verbringen. Und da die amerikanischen Reisenden, ob mit Wohnmobil oder mit Flieger und Bus und Zug, recht finanzstark sind, ist es eine sehr interessante Zielgruppe.

Die einheimischen Reisenden, die möglichst schnell und komfortabel von A nach B kommen wollen, fahren – nach meiner Einschätzung – entweder mit dem Auto, oder, nutzen den eigenen, oder einen gemietete Flieger.

Das, was mich seit meiner Ankunft hier in Alaska, aber auch schon in Kanada fasziniert: Die öffentlichen Büchereien, die ich ja immer wieder aufsuche, um die freien Internetangebote zu nutzen. Sie sind meist top-eingerichtet, haben eine sehr ansprechende Abteilung für Kinder, es ist eine Stätte, in der man sich wohl fühlt. Und es sind Einrichtungen, die nicht für die Touristen, sondern für die Einheimischen gebaut worden sind.

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Auch das finde ich klasse:

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Im Eingangbereich der Bücherei. Auf dem Schild steht: „Kräuter für die Gemeinschaft – nimm, was Du gebrauchen kannst, lass noch was übrig für die anderen“. Ist das kein tolles Angebot?

Wieder auf dem Highway, der hier in Alaska eher den Charakter einer Landstraße hat, sehe ich, da ich hungrig bin, ein ansprechendes Schild: Bakery, Bäckerei, mit dem Namen „Flying Squirrel“ (Fliegendes Eichhörnchen). Das steuere ich an, freue mich über ein weiteres Schild in der Einfahrt, auf dem Bio-Produkte angeboten werden. Dann drinnen, ne weitere Überraschung: Sie haben über der Theke „UNITED PAINTINGS“!

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Kinderbilder zum Thema „Frieden“, auf Stoff! Nachdem ich meine Pizza bestellt habe, gehe ich auf die Chefin zu, lade sie zum Frühstück ein, mit meiner Postkarte. Hatte ich diese Postkarte eigentlich schon beschrieben?? Ich glaube nicht. Werde es später machen. Erwische die Chefin leider auf einem falschen Fuß, sie scheint im Stress zu sein. Schade. Hätte mich gerne länger mit ihr über unseren gemeinsamen Nenner unterhalten. Hatte auch schon einkalkuliert, hier zu übernachten, vor der Bakery.

Die Bio-Pizza …

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… sieht toll aus, hat auch tolle Zutaten (u.a. Pistazien), ist aber keine 17(!) Dollar wert. Könnte ich (leider) nicht empfehlen.

Wieder auf der Piste: Die nächste Überraschung: Eine kleine Brauerei!

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Auch die kommt mir gelegen! Und da ich es nicht eilig habe, kalkuliere ich auch hier eine nächtliche Rast ein. Ein paar Biere probieren, vielleicht mit anderen Gästen ins Gespräch kommen, dann vor der Haustür ins Bett gehen – rein theoretisch nicht schlecht. Praktisch scheitert mein Vorhaben mit der Antwort auf meine Frage, ob ich das Auto hier über Nacht stehen lassen kann. Zu meiner Überraschung wird das von der Thekenbedienung verneint. Na dann eben nicht. Bezahle mein 0,3l Bier, 5 Dollar, fahre weiter.

Scheint alles unter keinem guten Stern zu stehen. Habe vergessen zu erwähnen, dass ich bei meinem kleinen Dorf-Bummel von einer Wespe am linken großen Zeh gestochen wurde. Tat anfangs sau-weih, doch der Schmerz war nach kurzer Zeit vorbei.

Nächster Stopp, nach ein paar Kilometern: Ein Fluss-Ufer.

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So, wie ich es vor ein paar Tagen schon einmal hatte – idyllisch. Eigentlich nicht schlecht zum Verweilen. Nur … ein paar rücksichtslose Quadfahrer, die nicht nur während ihrer Privat-Rennen mit einem Höllenlärm nerven, sondern mich letztendlich mit großen Staubwolken wieder „on the road“ treiben.

Schon verrückt: Überall will man mich nicht! Tangiert mich aber nicht. Bin sicher, dass ich auch noch anderen Örtlichkeiten begegne, die unter einem besseren Stern stehen.

Fahre tatsächlich, obwohl ich es nicht vorhabe, bis zum Denali-Park, komme gegen 23:30 Uhr dort an. Steuere einen RV-Platz an (RV= Wohnmobil), frage einen Camper nach dem Übernachtungspreis. 52 Dollar – das ist bis jetzt die Spitze. Nein danke! Es ist mir klar, dass das hier mal wieder eine absolute Touristen-Hochburg ist …

Fahre auf einen Parkplatz, auf dem diverse normale KFZ stehen, übernachte dort.

 

 

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