12.7.2017, Mittwoch, Talkeetna, Tag 50

Stehe nachts alleine auf dem Pass, genieße bis zur Dunkelheit, nach Mitternacht, die tolle Location, die Landschaft.

IMG_0492

Stehe um 7 Uhr auf, möchte eigentlich nur ein paar Meter laufen, vor dem Frühstück ein bisschen Sauerstoff tanken. Doch dann überlege ich den in der Nähe ausgeschilderten Trail zu gehen, mir aus einer gewissen Höhe einen Überblick zu verschaffen. Das wird eine schweißtreibende Aktion, die letztlich 1 ½ Stunden dauert, die mich mit wunderschönen Ausblicken belohnt. Was habe ich für ein Glück mit dem Wetter! Besser hätte es nicht sein können. Es sind zwar anfangs nur 13 Grad, aber die Sonne wird heute hoffentlich für eine Wohlfühltemperatur sorgen.

IMG_0505

IMG_0509

 

Überlege, ob ich nicht mein geplantes Programm in Palmer ausfallen lasse, stattdessen weiter ziehe, um … morgen an meinem nächsten Zielpunkt, Talkeetna, so wie schon in Bochum geplant, in die Luft zu gehen. Falls es jetzt 1 oder 2 Tage schönes Wetter ist, möchte ich die Chance für den Flug nutzen.

Ich besichtige die ein paar KM entfernte, stillgelegte Goldmine, die Teil eines Nationalparks ist. Sie gehörte vor dem 2. Weltkrieg zu einer Gruppe von 38(!) hier in der Region. Es war nach Juneau (der Hauptstadt) das zweitgrößte Goldbergbaugebiet in Alaska.

IMG_0520

IMG_0518

IMG_0517

Es ist schon ein bisschen schade zu sehen, dass diese historischen Gebäude und Anlagen zerfallen, man nichts dagegen unternimmt.

Erfahre von 2 netten Angestellten, dass die Passstraße, auf der ich übernachtet habe, den Highway nach Talkeetna kreuzt, so dass ich so nicht über Palmer fahren muss, ca. 100 km gespart habe.

Klar, dass ich das mache! Und ein Schild, auf dem steht, dass Gespanne und Reisemobile die Strecke nicht benutzen sollten, empfinde ich als zusätzliche Motivation.

IMG_0519

Die Piste ist teilweise wirklich abenteuerlich, 40km Schotter, aber Gott sei Dank halten sich die Löcher und Bodenwellen in Grenzen, ab und zu wird es einspurig, ohne Seitenstreifen. Die malerische Landschaft entschädigt für das Geruckel.

Es gibt heutzutage auch noch Abenteuerlustige (oder ernsthafte Investoren?), die sich mit modernstem Equipment auf die Suche nach Gold begeben.

IMG_0522

Mit solchen Leuten würde ich gerne ins Gespräch kommen.

Auch mitten an einem Berg sieht man, dass Menschen dort eine Menge Gestein aus dem Massiv herausgeholt haben. Wie haben sie das gemacht? Hatten sie Erfolg?

IMG_0523

Mitten in der Pampa dann ein Schild, das mich neugierig macht:

IMG_0526

Vielleicht kann ich hier eine Weile bleiben, mitträumen? Fahre von der Piste ab, zu den Gebäuden, entdecke auch sofort einen Mann, der mir gerne Auskunft gibt. Überall in den USA gibt es derartige Center, die hilfsbedürftigen Menschen zur Seite stehen. Hier war es bisher ein Projekt für alkoholabhängige Männer, jetzt ist man dabei, das Ganze umzubauen, zu einer Zufluchtstelle für drogenabhängige Frauen. Gute Sache!

Kurz vor Talkeetna gibt es die ersten Angebote, mit kleinen Fliegern Richtung Mount Denali zu starten.

IMG_0530

Habe ich es schon mal erwähnt? Er ist mit über 6.000 Metern der höchste Berg Nordamerikas. Genau diese Tour hatte ich mir vorgenommen. Leider scheitert der erste Anlauf, da diese kleinen Firmen nur Wasserflugzeuge haben. Ich möchte gerne auf einem der Gletscher landen. Das wiederum funktioniert nur mit Fliegern, die mit Reifen auf normalen Startbahnen abheben, neben den Rädern auch Skier haben, mit denen man dann auf Schnee landen kann. Das finde ich sehr spannend, möchte diese Erfahrung machen. Also fahre ich weiter, zu dem kleinen offiziellen Flugplatz. Und – welch ein Glück – ich kann sogar heute Abend, um 19 Uhr, meinen Plan realisieren! Das ist ein Highlight meiner Reise. Anfangs fliegen wir eine Weile über Wälder, das ist nicht so spektakulär. Aber dann, in den Bergen!! Die Fotos können nicht das wiedergeben, wie es in der Realität ist: Atemberaubend!

IMG_0543

IMG_0561

IMG_0548

IMG_0560

IMG_0590

Und eine weitere Steigerung ist tatsächlich die Landung auf einem Gletscher! Fühle mich auf dem Dach der Welt. Auch die weiteren 7 Passagiere sind ähnlich begeistert wie ich, wir alle machen natürlich ne Menge Foto. Glücklicherweise habe ich meine Jacke mitgenommen, dann hier oben ist es recht frisch, im Gegensatz zu den 28 Grad unten am Flughafen. Wenn Ihr Euch über mein Schuhwerk wundert: Alle Fluggäste haben Schuhüberzieher bekommen, um zu verhindern, dass die Touris auf dem glatten Schnee durch einen Sturz zu Schaden kommen.

IMG_0577

IMG_0571

IMG_0584

Auf dem Rückweg sehen wir diverse Hütten in der Wildnis, fast immer an einem See gelegen. Das sind die Wochenend- oder Ferienhäuser von nicht ganz armen Zeitgenossen, die mit ihrem eigenen Flieger ihr Refugium ansteuern.

IMG_0600

Sie landen dann entweder auf dem See, oder sie haben, wie auf diesem Foto zu sehen, diverse Bäume gefällt und eine Start- und Landebahn angelegt. Wenn man bedenkt, dass für all diese Arbeiten, das Bauen der Häuser, Arbeiter engagiert werden mussten, die für diese Jobs eingeflogen werden mussten – ziemlich aufwendig!

Auch mit dem Tagebau wird hier, immer noch, nach Gold gesucht!

IMG_0596

Knapp 2 Stunden dauert unsere kleine Expedition. Der Pilot erzählt, dass er auch häufig Bergsteiger hier ins Gebirge bringt. Er macht diesen Job seit 11 Jahren, ist im Winter mit seiner Familie auf Hawaii, um dort ebenfalls als Taxi-Flieger seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Bin zunächst ganz angetan von dem kleinen Dorf Talkeetna, mit seinen 683 Einwohnern, laut Reiseführer. Stelle mich irgendwo an eine Straße, um zu schlafen, war ein ereignisreicher und auch anstrengender Tag.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s