2.7.2017, Sonntag, Homer, Alaska, USA, Tag 40

Vor meiner Gottesdienst-Verabredung mit Pat und Megumi einen schnellen Kakao an der Tanke, dann erneut zu Safeway (sie haben 7 Tage pro Woche geöffnet!), um noch ein paar Telefonate zu führen.

Um 11 Uhr beginnt der Gottesdienst. Bin 20 Minuten früher dort, der Parkplatz ist schon voll. Es ist keine klassische Kirche, sondern ein zweistöckiges Gemeindezentrum, in dem in der oberen Etage der Saal wie eine kleine Kapelle aussieht, recht ansprechend. Pat hatte mich offensichtlich schon angekündigt, da ich als „Unbekannter“ angesprochen werde „You are the German?“ „Yes, I am“. Ganz sympathische Leute.

Bevor es anfängt, unterhalte ich mich mit unterschiedlichen Leuten, der übliche Smalltalk, ganz nett, herzlich.

Bevor der Gottesdienst beginnt, fragt die Pastorin, (ich weiß nicht mehr die genaue Frage) ob Gäste, aus anderen Städten oder (Bundes-)Staaten anwesend sind. Es gibt schon einige, die sich outen, so auch ich, der ich mit Abstand die weiteste Anreise hatte.

Der „Service“ ist ähnlich wie bei uns, einige gemeinsame Lieder, dann eine „Band“, die „Down by the Riverside“ anstimmt. Die ca. 50 anwesenden Besucher singen und klatschen lautstark mit – tolle Atmospähre. Dann … die Predigt: Eine Geschichte, die, unter anderem, auf der persönlichen Erfahrung von Lisa, der ca. 40-jährigen Pastorin beruht: Als ihre Familie von ihrem Entschluss hört, Pfarrerin zu werden, gibt es sehr unterschiedliche Reaktionen. Auf der einen Seite die große Freunde ihrer Schwiegermutter, die über eine lange Zeit sehr intensiv aus der Ferne an dem Studium teilnimmt, in wöchentlichen, langen Briefen alles Mögliche über die unterschiedlichen Studienetappen erfährt. Auf der anderen Seite ihre Großmutter, die als praktizierende traditionelle Gläubige fest davon überzeugt ist, dass Frauen zwar in die Kirche gehen sollen, dass sie darüber hinaus, in irgendwelchen, maßgeblichen beruflichen Positionen, nichts zu suchen haben. „Either you give it up, or you are on the way to hell“. Eine heftigere Reaktion, als ihre grundsätzlich geliebte Enkelin auf dem Weg in die Hölle zu sehen, kann es wohl nicht geben. Lisa war natürlich sehr getroffen, entschied sich jedoch „den Weg zur Hölle“ zu gehen. Es gab noch einige anderen interessante Stellen in der Predigt, die ich leider nicht ganz verstanden habe, auch sprach sie über einen Song von Leonard Cohen. Nach dem Gottesdienst bitte ich sie um das Skript der Predigt, um es so noch mal nachlesen, besser verstehen zu können.

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Noch ein erwähnenswerter Unterschied zu „unseren Gottesdiensten: Sie fragte in die Runde, wer ein bestimmtes Anliegen hat, für das gemeinsam gebetet werden soll. Es wurden von den Anwesenden die unterschiedlichsten Lebenssituationen und Schicksale genannt.

Eine Gemeinsamkeit: Unter den Kirchgängern (fast) nur ältere Menschen.

Nach dem Gottesdienst wird in der unteren Etage ein gemeinsames Mittagessen angeboten, das auch großen Anklang findet. Sitze Will File (Rotarier) gegenüber, mit dem mich Pat auch zusammenbringen wollte. Neben mir der Maler und Künstler Gary Lyon. Nette Unterhaltung mit den beiden. Bin bis zum Schluss des Essens dort, erbitte mir das Skript der Predigt von Lisa.

Draußen vor dem Gemeindehaus kommen Wegumi und ich ins Gespräch mit einer Frau, die etwas verzweifelt ist, da sie eine Batterie in ihrem Auto austauschen muss, es allein nicht schafft. Biete mich an, fahre ein paar Meilen zu ihrem Pickup, der vollgestopft ist mit ihrem Hausrat, den sie, wie der Graswuchs zeigt, schon vor längerer Zeit dort abgestellt hat. Offensichtlich hat sie ihre Wohnung aufgelöst.

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Tausche die Batterie, doch ihr Auto springt trotzdem nicht an. Mein Resümée: Die Frau braucht grundsätzliche Unterstützung, Lebenshilfe. Das ist nicht meine Baustelle, bin froh, als ich mich wenig später verabschiede.

Habe mir vorgenommen, nachmittags ein kleines Kultur-Programm einzulegen. Zunächst besuche ich das „Alaska Islands & Ocean Visitor Center“, in dem ein älterer Herr, ein „Veteran“, in einem Dia-Vortrag über den Zweiten Weltkrieg, die amerikanische Verteidigung der Aleuten (Inselgruppe) vor den Japanern berichtet. Es ist sehr interessant, ich weiß jedoch nicht, wie dieser Vortrag in das Naturkunde-Museum kommt.

Anschließend „Pratt-Museum“, eine Mischung aus den verschiedensten Themen und Sammlungen. Das Interessante dort: Ein Dokumentarfilm über die Kastastrophe der „Exxon Valdez“, des Öltankers, der 1989 im Prince William Sound mit 40 Millionen Liter Öl das Meer verseucht hat.

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Abends am Bishoffs Beachs, an dem ich am liebsten übernachten würde. Doch das ist leider, aus nachvollziehbaren Gründen, nicht erlaubt.

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