Sonntag, 4.6.2017, Sault Ste. Marie, Ontario, Kanada, Tag 12

Der Tag beginnt wie immer: Schaue mir an, wo ich denn eigentlich gelandet bin, da es abends, in der Dunkelheit, nicht immer ganz klar ist.

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Wichtig ist schon die Umgebung, dass ich nicht „im Frankfurter Bahnhofsviertel“, oder Ähnlichem, lande. Bisher ist das jedoch hier kein Thema. Überall heile Welt, fühle mich sehr sicher. Kanada hat, zumindest aus meiner Perspektive, aus meinen optischen Er-Fahrungen, einen sehr hohen Lebensstandard, was ich u.a. an den Häusern festmache. Wirklich an all den Straßen, die ich bisher passiert habe, strahlen sie entweder Luxus, oder, bei kleineren Objekten, zumindest einen gewissen Wohlstand aus. Alles ist sehr gepflegt, die Architektur sehr häufig nicht so langweilig wie bei uns in Deutschland, und … die Kanadier schätzen eindeutig Farbe an den Wänden. Würde gerne wissen, wie häufig sie ihre Fassaden streichen, denn fast ausnahmslos sind sie in einem Top-Zustand. Gestern bin ich das erste Mal durch eine kleine Stadt, mit vielleicht 20.000 Einwohnern, gefahren, in denen man viele Mehrfamilienhäuser sehen konnte, einige von ihnen nicht in dem „normalen“ Zustand.

Ansonsten: Super-Tour heute, endlich die gewünschten und ersehnten Örtlichkeiten, und das dazugehörige Wetter. Das entspricht meiner Vorstellung von Kanada.

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Hier kann man die Seele baumeln lassen!

Was ist mir ansonsten aufgefallen, während der letzten 10 Tage? Die vielen Camper. Überall in den Vorgärten, oder neben dem Gebäude, sieht man die meist riesigen Wohnwagen (fast immer als Auflieger), oder auch die im Vergleich zu deutschen Reisemobilen Riesen-Teile. Sicherlich sieht man auch bei uns ab und zu mal ein Wohnmobil in der Größe eines Linienbusses. Hier ist das die Regel. Ich mit meinem kleinen Sprinter werde wahrscheinlich gar nicht ernst genommen, es ist halt ein umgebauter Lieferwagen. In Québec auf dem Campingplatz habe ich tatsächlich auch einen Sprinter gesehen, in Reisemobilversion. Allerdings mit klassischem professionellen Auf- und Ausbau, mit … einem Kleinwagen als Anhänger. Das ist bei der Sprintergröße schon etwas Außergewöhnliches, normalerweise ziehen die Linienbus-Exemplare einen Klein- oder Mittelklassewagen hinter sich her.

Des weiteren: Sowohl in Québec, aber auch in kleinen Dörfern entlang des Weges bin ich über die vielen Ateliers, die Galerien gestolpert. Kunst hat hier einen offensichtlich anderen Stellenwert als das, was wir bei uns erleben. Wenn die Häuser, oder zumindest die äußere Schale, das, was man von außen sichten kann, ein Indiz für Kreativität und Lebenslust herhalten kann, so ist ein Ausleben dieses Way of Life nicht sehr verwunderlich.

Da fällt mir gerade noch ein Foto in die Hände, das ich auf der Toilette des o.g. Campingplatzes gemacht habe:

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Finde ich klasse! Ich kenne (leider) auch nicht jedes Verb. Gibt es einen Leser, der den Unwissenden mit einer Übersetzung helfen kann?

Ich weiß nicht, ob ich es bisher schon mal erwähnt habe: Die Stimmung hier im Land empfinde ich als sehr relaxed, ausgeglichen, die Menschen sind sehr freundlich, hilfsbereit, interessiert. Sehr schnell kommt man mit ihnen ins Gespräch, z.B. in meinen kleinen Lieblingsläden, den Tee-Stationen, und auch den Tankstellen.

Gestern sprach mich an eben solcher ein älterer Herr an, äußerte sich anerkennend über meine Fahrzeuggestaltung, über die Botschaft der Bilder, zeigte Interesse an unseren Aktivitäten. Ich glaube, wenn er nicht seine Frau in seinem Auto gehabt hätte, es hätte eins meiner ersten Frühstücks-Einladungen werden können. Ich übergab ihm, dem pensionierten Lehrer, meine „Postkarte“, entschuldigte mich vorsorglich für die nicht optimale Internet-Seite, speziell die in der englischen Fassung, versprach in Kürze einen Relaunch. Bin sehr gespannt, ob er sich per Mail meldet.

Also, man hört es: Kanada hat sich bisher (bis auf das Wetter) von seiner besten Seite gezeigt.

Gibt es auch etwas, das mir missfällt, fehlt? Fällt mir so schnell wirklich nichts ein. Oder doch: Wie in vielen anderen Ländern können die komischen Ausländer nicht backen!!! Das Brot ist – erwartungsgemäß – eine mittlere Katastrophe! Am Anfang eines jeden Kaufes steht bei mir der „Drücktest“. Bisher hat kein Brot den Test bestanden, ich konnte nur wählen zwischen ganz schrecklich (Luftbrot mit leichtem Teiggeschmack), oder der ansatzweise essbaren brotähnlichen Substanz. Meine Hoffnung: Irgendwann mal eine vernünftige Bäckerei zu sichten!

Nachmittags dann ein überraschender Anruf von Kordula. Normalerweise telefonieren wir ja dann, wenn ich Internet habe, über WhatsApp. Wenn sie mich über das normale Festnetz anruft, muss es schon etwas Wichtiges sein. Ist es leider auch: Meine Mutter ist mit Schmerzen ins Krankenhaus gekommen. Von dort ist Kordula vor Kurzem informiert worden, erstaunlicherweise nicht von Johannes-Stift. Auch mich hätten sie anrufen sollen und müssen. Mache mir natürlich Sorgen, viele unterschiedliche Gedanken gehen durch meinen Kopf. Kordula ist auch leider nicht in Bochum, sondern mit einer Gruppe in der Nähe von Paderborn. Sie wird diesen Aufenthalt morgen nach dem Frühstück beenden, dann ins Krankenhaus fahren, mich dann anschließend informieren.

Nehme mir vor, in ca. 100 KM Entfernung, irgendwo in der Nähe der Stadt Sault Ste. Marie, einen Campingplatz anzusteuern, so dass ich WIFI habe, dann besser telefonieren kann.

Werde dort jedoch wider Erwarten nicht fündig, so dass ich ein Restaurant aufsuche. Dort hat man normalerweise Internet, und ich hoffe auch draußen, so dass ich dann dort übernachte, morgens von dort telefonieren kann.

Im Restaurant ist es kein Problem, zunächst auch draußen nicht, doch dann ist die Verbindung weg. Vielleicht hat man gegen 23 Uhr das Netz abgeschaltet?

Da es dort auch recht laut ist (Nähe einer vielbefahrenen Straße) fahre ich ein paar Blocks weiter, suche einen ruhigen Parkplatz, finde ihn auch. Ich weiß gar nicht warum, ich schaue einfach so auf mein Handy, sehe zu meiner großen Überraschung, dass es dort, in der Nähe das Parkplatzes, ein offenes WLAN gibt: Von einer Baptistischen Gemeinde! Der gewünschte Draht, von oben!

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